Bruni Wildenhein-Lauterbach ist Wahlfrau für die Bundesversammlung
Wenn am 30. Juni die Bundesversammlung zusammentritt, um den Bundespräsidenten zu wählen, ist sie dabei: Die Weddingerin Bruni Wildenhein-Lauterbach. Die 63-Jährige sitzt seit 2006 für die SPD im Abgeordnetenhaus. Nominiert wurde sie aber aufgrund ihrer Lebensleistung und Persönlichkeit.
25 Personen durften die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien als Wahlmänner und -frauen für diese Wahl benennen. Bruni Wildenhein-Lauterbach ist die einzige Weddingerin. Die gelernte Verwaltungsangestelle war lange an der Volkshochschule Wedding tätig, später als Gewerkschaftssekretärin bei ver.di und war Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung, bevor sie ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde.
Nebenher hat sie sich immer sozial engagiert. In ihrem Kiez am Schillerpark kennt jeder die Frau mit den roten Haaren, nicht erst seit sie dort den „Schiller-Treff“ als Anlaufstelle für die Nachbarschaft gegründet hat.
„Es ist eine große Ehre für mich, Wahlfrau zu sein. „Das kam völlig unverhofft“
, erzählt sie.
Bruni Wildenhein-Lauterbach stammt aus einer sozialdemokratischen Familie.
„Verantwortung zu übernehmen, was dort selbstverständlich. Das hat mich geprägt.“ Wenn die Eltern zur Wahl gingen, haben sie sich besonders angezogen. „Das war ein würdevoller Tag. Es hat uns etwas bedeutet, wählen zu dürfen.“
Die Bundesversammlung tritt nur zusammen, wenn der Bundespräsident gewählt wird. Zur Hälfte besteht sie aus den Mitgliedern des Bundestages, zur anderen Hälft aus Menschen, die das Volk repräsentieren sollten. Welche das sind, bestimmen die Fraktionen in den Landtagen der Bundesländer – und natürlich wählen sie Personen dafür aus, die ihnen politisch nahe stehen.
Für Bruni Wildenhein-Lauterbach steht fest, dass sie Joachim Gauck wählt, nicht nur, weil er der Kandidat ihrer Partei ist.
„Er ist kein SPD-Mann, aber von ihm geht einen hohe integrativer Kraft aus. Er stammt aus der DDR, verklärt sie aber nicht, ist gläubiger Christ, kritisiert aber die Kirche.“
Rein rechnerisch hat Gauck allerdings keine Chance.
„Ich glaube auch nicht, dass er dennoch gewählt wird. Denn wenn das geschieht, gerät die Bundesregierung unter einen ungeheuren Druck. Und das wird jeder andere, der dort wählt, auch wissen.“
(Dieses Interview finden Sie auch im Berliner Abendblatt vom 26.06.2010)